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Zwischen Bangen und Hoffnung

 By JOHANNES ZANG 
February 14, 2006

Viele Christen sind in Palästina nach dem Wahlsieg der Hamas in Sorge - Andere sind zuversichtlich

Selbst im kleinen Taybeh - dem einzigen ausschließlich christlichen Ort des Heiligen Landes - gingen Stimmen an die Hamas, insgesamt 28. "Ich persönlich war schockiert, warum ein Christ für eine fundamentale islamische Position stimmen würde", kommentiert die griechischstämmige Journalistin Maria Khoury, die in Taybeh wohnt, den Wahlausgang. "Aber es war die einzige Rache, die den Menschen möglich war, um diese Botschaft an die Fatah zu schicken: Dass die Menschen die Nase voll haben und dass die Fatah ohne strategischen Plan und ohne eine Zukunftsvision einfach gescheitert ist.
" Die Christen und Hamas - jedenfalls steht fest, dass sechs der sieben in den Autonomierat gewählten Christen auf der Fatah - Liste standen. "Der christliche Kandidat aus Gaza hat sein Mandat gewonnen, weil er von Hamas Rückendeckung bekam", versichert Hanna Siniora demgegenüber. Siniora, selbst Christ und als Kandidat in Ost- Jerusalem gescheitert, bekennt, dass seine Frau die Hamas gewählt habe. "Weil sie genug hatte von Fatah." Viele Christen - insgesamt machen sie nicht einmal zwei Prozent der Gesamtbevölkerung in den Palästinensergebieten aus - scheinen noch nicht so recht zu wissen, was sie vom Sieg der Hamas bei den jüngsten Wahlen halten sollen.
Als der Leiter der Wahlkommission, der Christ Hanna Nasser, im Fernsehen die Stimmenverteilung der einzelnen palästinensischen Städte bekannt gab, schüttelte Jiries, ein griechisch- orthodoxer Christ den Kopf. Der Manager eines christlichen Gästehauses in Jerusalem befürchtet die Einführung der Zwangsverschleierung für alle Frauen, auch Christinnen, und ein strenges Alkoholverbot. Im Zuge dieser und anderer Maßnahmen hin zu einem "islamischen Staat" rechnet er mit einer noch einmal zunehmenden Auswanderung der palästinensischen Christen. Der neu gewählte Koadjutor-Bischof der anglikanischen Diözese von Jerusalem, Suheil Dawanim, will hingegen erst einmal abwarten. "Vielleicht hat Hamas ja ein besseres Programm als die Fatah, wer weiß?" Der aus Nablus stammende Geistliche meint, man solle nicht gegen die Hamas sein. Er betont, dass man keine Einmischung und keinen Druck "von außen" wünsche, aber auch, wie wichtig die christliche Präsenz im Heiligen Land sei. "Momentan gibt es keinen Friedensprozess. Aber wir wollen, dass die Verhandlungen weitergeführt werden", betont er. Der für die anglikanischen Christen im Libanon, in Syrien und Jordanien sowie in Israel und den palästinensischen Gebieten bald zuständige Bischof spricht sich deutlich für "Gewaltlosigkeit und Frieden" aus. Gewaltlosigkeit - dazu hat sich die Hamas bisher nicht bekannt, auch wenn momentan aus Hamas- Kreisen immer wieder etwas von einem zehnjährigen Waffenstillstand mit Israel zu hören ist.
Nora Kort, die Länderbeauftragte des "Internationalen Christlich-Orthodoxen Wohlfahrtsverbandes" mit Sitz in Jerusalem, ist zuversichtlich. Sie glaubt, dass das "Leben für die Christen weiterhin möglich ist, sollte Hamas eine politische Partei werden und ihre religiöse Identität aufgeben". Ansonsten würde es "extrem schwer, mit religiösen Fanatikern zusammenleben". Die Jerusalemer Christin schätzt Hamas jedoch "nicht so naiv" ein. Sie ist sicher, dass es "gut gebildete, analytisch denkende Leute" bei Hamas gibt. Außerdem brauche sie die christliche Präsenz im Heiligen Land. Von ihren Mitchristen fordert sie, sich diesbezüglich zu artikulieren. Hanna Siniora prophezeit sogar, dass Hamas sich "prominente unabhängige Köpfe" in die Regierung holen werde, "um sich selbst akzeptabler gegenüber der internationalen Gemeinschaft" zu machen.
Hamas bedeutet "Islamische Widerstandsbewegung". Wie unter einem "Mikroskop" werde sie momentan beäugt, stellt Nora Kort fest. Sollte Hamas einen Fehler machen, werde Israel die Oberhand gewinnen. Und das würde die Beibehaltung der momentanen Sackgassenlage und eine "internationale Akzeptanz der andauernden Besatzung palästinensischen Landes" zur Folge haben. Ähnlich sieht das auch Ramzi Zananiri, der Direktor des "Internationalen Christlichen Kommittees" im Nahostkirchenrat. Für ihn hat zudem die "bedingungslose Unterstützung Israels seitens der Vereinigten Staaten" ebenfalls zur "Radikalisierung" beigetragen. Den Christen aus Jerusalem hat daher das Wahlergebnis in keinster Weise überrascht. In Taybeh mit seinen 28 Stimmen für die Hamas gibt es die einzige palästinensische Brauerei. Wird ihr die Hamas den Zapfhahn zudrehen? Die Zukunft wird zeigen, welche Folgen der Wahlsieg der Hamas für die Christen in Palästina haben wird.
 

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