|    Home   |    About Us    |   Contributors   |   Discussion Forum   |   Contact Us   |       

 

Search our website



 

Mein Besuch in Bethlehem im Juli 2005
October 5, 2005
von Eva Gadocha

 

Foto: Fadi Dabdoub

Greetings from Austria war der Titel meiner Installationsarbeit im International Center von Bethlehem im Juli 2005 in Zusammenarbeit mit Elisabeth Junger, Gerhard Maurer, Michaela Hamminger und Alexander Golser. Unter www.annadwa.org ist sie dokumentiert. In der Installation erzählte ich von Österreich, der Landschaft, vom Tod des Markus Omofuma. Faten Nastens, selbst Künstlerin, meinte zur Ausstellung - Deine Arbeit wirkt zunächst naiv und dann ist die Traurigkeit darin zu sehen. Faten Nastens arbeitet im International Center und hat mich während des elftätigen Aufenthalts betreut.
 

Der Internationale Center, inmitten der Altstadt von Bethlehem, ist ein Ort der Begegnung. Anspruch und Wirklichkeit sind hier in beeindruckender Weise verwirklicht. So war auch mein Besuch im Center geprägt von Begegnungen mit den unterschiedlichsten Personen. So hatte ich Gelegenheit bei der Besprechung der nächsten Ausstellung im Center dabei zu sein. Die meisten daran beteiligten Künstlerinnen und Künstler waren zugegen. Einige von ihnen konnten nicht legal, d. h. über den Jackpoint, kommen. Es waren dies Israelis, jüdischer wie arabischer Herkunft, aus Tel Aviv/Jaffa. Sie mussten auf illegalen Wegen nach Bethlehem kommen. Bethlehem ist nur einige Kilometer von Jerusalem entfernt. Es liegt im Westjordanland, in den besetzten Gebieten und getrennt sind die beiden Orte durch eine 8 bis 9 Meter hohe Betonmauer.
 

Von der siebzehnjährigen Rawan Gedeon bekam ich eine Spezialführung durch die Geburtskirche. Beim anschließenden Spaziergang mit ihr durch die Stadt sprach sie von ihrer Angst, die sie 2002 hatte. Damals im April und Mai war die Stadt vierzig Tage lang von der israelischen Armee okkupiert gewesen. Ihr Elternhaus entkam nur knapp der Zerstörung. Mit Fadi Dabdoub, ein ehemaliger Schulkollege von Rawan, hatte ich ebenfalls Gelegenheit zu sprechen. Er zeigte mir Fotographien seiner künstlerischen Arbeiten. Angst, Hass, Wut, Verzweiflung sind die Themen seiner Objekte aus Styropor und anderen Alltagsmaterialien. In einer anderen Arbeit legte er sich in den Raum voller Oliven und fotografierte sich selbst (siehe obiges Foto). Dabei schrie er seine Angst und Wut heraus, die er während der Okkupation 2002 empfunden hatte. Beide Jugendlichen zeigten mir in unterschiedlicher Weise ihre Ohnmacht und Wut. Rawan hat ihren Bruder während der zweiten Intifada verloren. Ihren Schmerz über den Verlust hat sie künstlerisch verarbeitet. Sie drehte ein Video.
 

Die Logik jeder militärischen Strategie ist es u. a., das Gesicht des "Feindes" nicht kenntlich werden zu lassen. Damit kann kein Frieden geschaffen werden. Friedensarbeit gibt den Opfern militärischer Macht ein Gesicht. Der International Center setzt als Zivilgesellschaft der militärischen Strategie die Strategie der Begegnung entgegen. Der Center will den Dialog mit der israelischen und palästinensischen Bevölkerung.
 

Im Herbst 2004 habe ich vom International Center in Bethlehem erfahren. Es war bei einer Buchpräsentation. Viola Raheb las aus ihrem Buch Geboren in Bethlehem. Noch im Flugzeug nach Wien auf meiner Reise nach Bethlehem dachte ich mir - ich kann ja in Wien auch wieder aussteigen und nach Hause fahren. Gut, dass ich es nicht getan habe!
 

Kontakt:  www.annadwa.org, egadocha@yahoo.de

 

More Diaries from Palestine

Diaries from Palestine