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Eingemauertes Fest
By Johannes Zang
December 21, 2006

In der palästinensischen Geburtsstadt Jesu leben die Menschen im Schatten des israelischen Grenzwalls. Sie leiden unter dem Konflikt, der die Touristen fernhält, und wünschen sich zu Weihnachten nur eins: Frieden. Eine Galerie mit Texten und Bildern von

Christlicher Exodus

Jahr für Jahr blickt die Welt an zwei Tagen nach Bethlehem – am 24. und 25. Dezember. Doch wer weiß wirklich etwas über den Alltag der Menschen in dieser kleinen palästinensischen Stadt am Stadtrand von Jerusalem? Bethlehem liegt im palästinensischen West-Jordanland. Von den etwa 30.000 Einwohnern gehören aufgrund starker Abwanderung nur noch etwa 40 Prozent den verschiedenen christlichen Kirchen an (römisch-katholisch, griechisch-orthodox, evangelisch-lutherisch, syrisch-orthodox, griechisch-katholisch). Die Mehrheit stellen in Bethlehem nun – anders als vor wenigen Jahrzehnten – die Muslime. Die verbliebenen Christen Bethlehems wie des gesamten Heiligen Landes – dazu gehören auch Syrien, Jordanien und Ägypten – sehen sich als Nachfahren der Urchristen. Sie blicken damit auf 2000 Jahre Geschichte zurück.

Eingemauert

Wie muss man sich das Leben in Bethlehem im Jahre 2006 vorstellen? Die Stadt ist weitgehend eingemauert durch das Trennbollwerk, dass Israel gegen palästinensische Terroristen errichtet hat. Und die Menschen unterliegen wie in ganz Westjordanland dem Besatzungsregime mit einer Vielzahl von Kontrollen und sehr eingeschränkter Souveränität. Dieser Tage hat die Initiative Open Bethlehem neue Daten über die Geburtsstadt Jesu bekanntgegeben: Es gibt 27 israelische Siedlungen in der Umgebung; sie alle sind auf Land errichtet, dass israelische Stellen von Bethlehemer Besitzern beschlagnahmt haben. Man rechnet damit, dass Bethlehem bei Fertigstellung der Trennmauer siebzig Prozent seines Landes verloren haben wird. Genau derselbe Prozentsatz der Stadtbewohner lebt derzeit unterhalb der Armutsgrenze – bei einer Arbeitslosenquote von mehr als 60 Prozent. Der Tourismus – verantwortlich für 65 Prozent der Wirtschaftsleistung - ist seit Beginn der Zweiten Intifada sehr stark zurückgegangen. Konnten die Bethlehemer Hotels 2002 noch eine Auslastung von 22,1 Prozent vermelden, so waren es 2005 gerade einmal 2,5 Prozent.

Iliana Khair

"Ich habe viele Kinder leiden gesehen in diesem Jahr – wegen des Krieges. Viele wurden ohne Grund getötet. Es war für mich sehr schwer, mit an zusehen, wie Kinder in Israel auf Raketen geschrieben haben: Ein Geschenk von uns an die Kinder des Libanon. Mein Weihnachtswunsch richtet sich an Kinder: Ich wünsche, dass Gott sie vor Kriegen, egal wo in der Welt, beschützen möge. Und dass er Barmherzigkeit und Liebe in ihren Herzen bewahren möge, wo sie doch in diesem Jahr die Opfer all der Kriege wurden, die ausbrachen."

Iliana Khair Awwad, 21 Jahre, verheiratet, aus Beit Sahour, dem Ort der Hirtenfelder, arbeitet als Koordinatorin für Reise und Begegnung in Bethlehem.

Elias Giacaman

"Ich wünsche mir, dass wir die Probleme hier endlich loswerden und dass es einen echten Frieden gibt; dann werden die Straßen sich öffnen und es wird Bewegungsfreiheit geben. Die Arbeitsmarktlage wird wieder so wie früher und die Menschen werden wieder zu leben verstehen. Ich wünsche auch, dass die internen palästinensischen Probleme der Autonomiebehörde ein Ende finden. Seit fünf Jahren ist die Lage alles andere als normal und sehr schwierig."

Elias Giacaman, 25 Jahre, verheiratet, ein Sohn, ist Olivenholzschnitzer. Elias und sein Cousin Jack mussten wegen der Intifada und der deswegen ausbleibenden Touristen einen Teil der Angestellten entlassen.

Hiam Marzouqa

"Als Mutter wünsche ich mir, dass meine Kinder eine bessere Zukunft haben in diesem Land, denn ich sehe für sie hier keine Zukunft. Als Kinder wachsen sie mit einer Mauer vor Augen auf. Sie wissen nicht, was für ein schönes Leben hinter dieser Mauer liegt. Sie wissen nicht, was für eine Freiheit ein normaler Mensch haben kann. Als Bethlehemitin wünsche ich mir, dass Bethlehem wieder ausstrahlt wie früher. Ich habe das Gefühl, überall wird Weihnachten viel besser gefeiert als an der Stelle, wo Jesus geboren ist. Ich wünsche mir, dass das in Zukunft anders ist: dass wir uns wieder über Weihnachten freuen können."

Dr. Hiam Marzouqa, Mutter von drei Kindern, hat in Würzburg Medizin studiert. Seit Sommer 2006 arbeitet sie als Chefärztin im Caritas Baby Hospital der Kinderhilfe Bethlehem.

Abu Suus

"Ich möchte gerne einmal mit meiner Frau an den Strand fahren und in einem Hotel übernachten. Wir erhoffen von Gott, dass er Versöhnung stiftet. Mein Wunsch ist, dass Amerika und Israel uns ein wenig geben und uns wie Menschen behandeln. Wir wünschen uns Frieden und Versöhnung mit Israel. Am Ende gibt es keine Lösung, außer dass wir zusammenleben. Diese Mauer bringt Israel keine Sicherheit. Was Israel einzig und allein Sicherheit bringt, ist: Den Menschen ihre Rechte zu geben, damit sie wie die anderen Menschen leben können. Ich will leben. Lasst mich leben."

Abu Suus, verheiratet, sechs Kinder, ist Besitzer des Restaurants Karawan

Heba und Abeer Jaraize und Rana Kheir

Rana Kheir, Studentin, 22: "Mein Weihnachtswunsch ist, dass es Frieden in unserer Region gibt und dass wir in unserer Freiheit die Kirchen in Jerusalem besuchen können – ohne Durchsuchungen, ohne Armee, so als wären Bethlehem und Jerusalem eine einzige Stadt und nicht getrennt, wie es jetzt der Fall ist."

Heba Jaraize, Studentin, 19: "Ich wünsche, dass alle Menschen fröhlich sind und es Frieden gibt."

Abeer Jaraize, Studentin, 18: "Dass es überall Frieden gibt und nicht mehr geschossen wird. Und dass man sich mehr um die kleinen Kinder kümmert, denn sie leiden unter Problemen und Krankheiten. Krankheiten haben sich unter ihnen sehr verbreitet. "

 

Khader

Wir wünschen uns von der internationalen Staatengemeinschaft Unterstützung, damit wir ein einfaches Leben führen können. Und damit wir mit den Israelis gut zusammenleben.

Khader, 22 Jahre, ist Koch in einem Restaurant am Krippenplatz

 

 

Titel

"Ich wohne in Bethlehem, gehe aber in Jerusalem zur Schule. Jeden Tag überquere ich den israelischen Armee-Kontrollpunkt, um zur Schule zu kommen. Mein Wunsch ist: dass der Kontrollpunkt und die Mauer entfernt werden, aber das wird nicht geschehen. Oft kommen wir zu Prüfungen zu spät und auch sonst verpassen wir Dinge, weil wir am Kontrollpunkt aufgehalten werden."

May Murad, 17, Schülerin an einem Gymnasium in Jerusalem, will nach dem Abitur Design in Mailand studieren

 

Elias Hazboun

"Wir wünschen uns, dass wir im nächsten Jahr Weihnachten so feiern können wie Europa und Amerika. Man sollte meinen, dass die Söhne Bethlehems mehr als andere anderen Menschen die Bedeutung von Weihnachten kennen. Unser Problem ist jedoch: Wir tun es nicht. Wir begehen Weihnachten so wie jeden x-beliebigen Tag. Die Lage vor Ort erlaubt es uns nicht, das Fest so zu feiern, wie es sich gehört."

Elias Hazboun ist Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens am Krippenplatz. Er ist verheiratet und hat drei Söhne

Zahar Raheb

"Ich habe viele Wünsche. Mein erster und wichtigster: Frieden in der ganzen Welt und besonders hier in Palästina. Wir kämpfen um unsere Freiheit, dazu haben wir das Recht. Wir haben viele Kinder und Erwachsene verloren, aber wir überleben. Mein Wunsch für meine Kinder ist, dass sie das bestmögliche Leben haben und vom dem profitieren, was ich ihnen gebe."

Zahar Raheb, 34, ist Schwester auf einer Neugeborenenstation. Sie ist selber Mutter von drei Kindern

 

Zarifa Khaled

"Ich möchte, dass alle sich freuen und zufrieden sind. Ich wünsche, dass ich etwas Schönes geschenkt bekomme. Ich erhoffe mir von Gott, dass er mich heilt und ich gehen kann."

Zarifa Khaled Shafai (l.), 8 Jahre alt, Schülerin aus Jerusalem, hat zum ersten Mal im Leben die Geburtskirche in Bethlehem besucht

 

 

Saleh al-Quarbi

"Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass es für uns Bewegungsfreiheit gibt. Damit wir in andere palästinensische Gebiete wie nach Ramallah und Jerusalem fahren können."

Saleh al-Qarbi, 19, wurde vor drei Jahren von der israelischen Armee ein Auge ausgeschossen, als er auf dem Heimweg von der Schule an einer Gruppe Kinder vorbeikam, die Steine auf israelische Soldaten warfen

 

Nicola

"Ich war gezwungen, wegen des Mauerbaus um das Rahelsgrab mein Restaurant hierher zu verlegen. Wir haben Freunde, die hierher kommen und uns durch ihren Besuch helfen. Hier ist keiner zufrieden, weder an Weihnachten noch an sonst einem Tag. Seit acht Jahren habe ich Jerusalem nicht mehr besuchen dürfen. Ich habe um einen Passierschein gebeten, doch man hat die Bitte abgewiesen. Einmal mussten wir wegen meines Onkels ins Krankenhaus nach Jerusalem. Selbst da wurde mir kein Passierschein gewährt. Mein Weihnachtswunsch ist: Wieder einmal Jerusalem zu besuchen, alle wollen das. Weiters wünsche ich Frieden und dass wir Freude haben und leben so wie die restliche Welt. Wenn es Frieden gibt, ist die Mauer nicht mehr nötig. Die Mauer bringt nur noch mehr Probleme."
Nicola, 37, verheiratet, eine Tochter, ist Besitzer des Restaurants Weihnachtsbaum

 

Lorin und Yazan

Lorin Akkawi, 4 (l.):
"Ich wünsche mir ein Kleid."

Yazan Akkawi, 9 (M.):
"Ich wünsche mir ein ferngesteuertes Auto."

 

 

 

Abu Hanna

"Israelis und Palästinenser könnten in Frieden leben. Wenn es Frieden im Heiligen Land geben sollte, dann ist das gleichbedeutend mit Frieden für den gesamten Nahen Osten und fast für die gesamte Welt."

Abu Hanna, Souvenirhändler in einer Seitengasse des Krippenplatzes, hatte seit einer Woche keine Kunden mehr in seinem Geschäft

Eireen Zoughbi

"Ich wünsche Frieden zuallererst und dass wir ein besseres Lebensniveau erreichen. Wenn es Frieden gibt, wird sich die Lage im Tourismus verbessern und wir können uns entwickeln. Mit Frieden löst sich alles andere. Aber so ist die Lage sehr schlecht: Entweder wandert man aus, oder man bleibt arbeitslos hier."

Eireen Zoughbi ist Empfangschefin in einem Hotel am Krippenplatz. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder

 

Pater Amjad

"Mein Weihnachtswunsch ist, dass niemand in der Welt Bethlehem vergisst. Die Menschen mögen jetzt, wo sie Krippen in ihren Häusern und Kirchen aufstellen, daran denken, dass wir im Heiligen Land das echte Bethlehem haben und dass ihre Brüder hier sie bitten, für sie zu beten und sie zu besuchen."

Pater Amjad ist Pfarrer der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche St. Katharina am Krippenplatz

Suleiman

"Die kleine Mauer in Deutschland ist gefallen. Dafür gibt es hier, in diesem kleinen Land – Israel und Palästina - nun eine große Mauer. Das Leben hier ist sehr schwer. Hier ist die heilige Stadt, in der Jesus geboren wurde. Sie ist ein großes Gefängnis. Es gibt kein Leben. Mein Urgroßvater wurde hier geboren und ich auch. Und ich kann nicht nach Jerusalem fahren. Seit sechs Jahren war ich nicht mehr dort. Ich kann nicht einmal drei Kilometer in diese Richtung fahren. Mein Großvater hatte ein Stück Land bei Bethlehem. Die Israelis haben es ihm abgenommen und eine Siedlung darauf gebaut. Sie heißt El-David. Wäre ich im Besitz dieses Grundstücks, würde ich jetzt nicht hier Taxi fahren. Ich verdiene zwischen zehn und zwanzig Schekel (zwischen 2 und 4 Euro) am Tag. Mein jüngster Sohn geht in die erste Klasse. Er braucht jeden Tag schon fünf Schekel. Ich habe drei Kinder, die an der Universität studieren. Das bedeutet enorme Ausgaben. Mein Söhne fragen: Wenn ich mit dem Studium fertig bin, wo soll ich denn Arbeit finden? In welchem Land? Manchmal kommen Ausländer an den Kontrollpunkt. Wenn ich mit ihnen rede, merke ich, dass sie sich vor mir fürchten. Das Leben wird schwierig, wenn die anderen Menschen dich als Terroristen betrachten."

Suleiman ist Taxifahrer und hat sieben Kinder

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