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In der palästinensischen Geburtsstadt
Jesu leben die Menschen im Schatten des israelischen Grenzwalls. Sie
leiden unter dem Konflikt, der die Touristen fernhält, und wünschen sich
zu Weihnachten nur eins: Frieden. Eine Galerie mit Texten und Bildern
von
Christlicher Exodus
Jahr
für Jahr blickt die Welt an zwei Tagen nach Bethlehem – am 24. und 25.
Dezember. Doch wer weiß wirklich etwas über den Alltag der Menschen in
dieser kleinen palästinensischen Stadt am Stadtrand von Jerusalem?
Bethlehem liegt im palästinensischen West-Jordanland. Von den etwa
30.000 Einwohnern gehören aufgrund starker Abwanderung nur noch etwa 40
Prozent den verschiedenen christlichen Kirchen an (römisch-katholisch,
griechisch-orthodox, evangelisch-lutherisch, syrisch-orthodox,
griechisch-katholisch). Die Mehrheit stellen in Bethlehem nun – anders
als vor wenigen Jahrzehnten – die Muslime. Die verbliebenen Christen
Bethlehems wie des gesamten Heiligen Landes – dazu gehören auch Syrien,
Jordanien und Ägypten – sehen sich als Nachfahren der Urchristen. Sie
blicken damit auf 2000 Jahre Geschichte zurück.
Eingemauert
Wie
muss man sich das Leben in Bethlehem im Jahre 2006 vorstellen? Die Stadt
ist weitgehend eingemauert durch das Trennbollwerk, dass Israel gegen
palästinensische Terroristen errichtet hat. Und die Menschen unterliegen
wie in ganz Westjordanland dem Besatzungsregime mit einer Vielzahl von
Kontrollen und sehr eingeschränkter Souveränität. Dieser Tage hat die
Initiative Open Bethlehem neue Daten über die Geburtsstadt Jesu
bekanntgegeben: Es gibt 27 israelische Siedlungen in der Umgebung; sie
alle sind auf Land errichtet, dass israelische Stellen von Bethlehemer
Besitzern beschlagnahmt haben. Man rechnet damit, dass Bethlehem bei
Fertigstellung der Trennmauer siebzig Prozent seines Landes verloren
haben wird. Genau derselbe Prozentsatz der Stadtbewohner lebt derzeit
unterhalb der Armutsgrenze – bei einer Arbeitslosenquote von mehr als 60
Prozent. Der Tourismus – verantwortlich für 65 Prozent der
Wirtschaftsleistung - ist seit Beginn der Zweiten Intifada sehr stark
zurückgegangen. Konnten die Bethlehemer Hotels 2002 noch eine Auslastung
von 22,1 Prozent vermelden, so waren es 2005 gerade einmal 2,5 Prozent.
Iliana
Khair
"Ich habe viele Kinder leiden gesehen in diesem Jahr – wegen des Krieges.
Viele wurden ohne Grund getötet. Es war für mich sehr schwer, mit an
zusehen, wie Kinder in Israel auf Raketen geschrieben haben: Ein
Geschenk von uns an die Kinder des Libanon. Mein Weihnachtswunsch
richtet sich an Kinder: Ich wünsche, dass Gott sie vor Kriegen, egal wo
in der Welt, beschützen möge. Und dass er Barmherzigkeit und Liebe in
ihren Herzen bewahren möge, wo sie doch in diesem Jahr die Opfer all der
Kriege wurden, die ausbrachen."
Iliana Khair Awwad, 21 Jahre, verheiratet, aus Beit Sahour, dem Ort der
Hirtenfelder, arbeitet als Koordinatorin für Reise und Begegnung in
Bethlehem.
Elias
Giacaman
"Ich wünsche mir, dass wir die Probleme hier endlich loswerden und dass
es einen echten Frieden gibt; dann werden die Straßen sich öffnen und es
wird Bewegungsfreiheit geben. Die Arbeitsmarktlage wird wieder so wie
früher und die Menschen werden wieder zu leben verstehen. Ich wünsche
auch, dass die internen palästinensischen Probleme der Autonomiebehörde
ein Ende finden. Seit fünf Jahren ist die Lage alles andere als normal
und sehr schwierig."
Elias Giacaman, 25 Jahre, verheiratet, ein Sohn, ist Olivenholzschnitzer.
Elias und sein Cousin Jack mussten wegen der Intifada und der deswegen
ausbleibenden Touristen einen Teil der Angestellten entlassen.
Hiam
Marzouqa
"Als Mutter wünsche ich mir, dass meine Kinder eine bessere Zukunft
haben in diesem Land, denn ich sehe für sie hier keine Zukunft. Als
Kinder wachsen sie mit einer Mauer vor Augen auf. Sie wissen nicht, was
für ein schönes Leben hinter dieser Mauer liegt. Sie wissen nicht, was
für eine Freiheit ein normaler Mensch haben kann. Als Bethlehemitin
wünsche ich mir, dass Bethlehem wieder ausstrahlt wie früher. Ich habe
das Gefühl, überall wird Weihnachten viel besser gefeiert als an der
Stelle, wo Jesus geboren ist. Ich wünsche mir, dass das in Zukunft
anders ist: dass wir uns wieder über Weihnachten freuen können."
Dr. Hiam Marzouqa, Mutter von drei Kindern, hat in Würzburg Medizin
studiert. Seit Sommer 2006 arbeitet sie als Chefärztin im Caritas Baby
Hospital der Kinderhilfe Bethlehem.
Abu
Suus
"Ich möchte gerne einmal mit meiner Frau an den Strand fahren und in
einem Hotel übernachten. Wir erhoffen von Gott, dass er Versöhnung
stiftet. Mein Wunsch ist, dass Amerika und Israel uns ein wenig geben
und uns wie Menschen behandeln. Wir wünschen uns Frieden und Versöhnung
mit Israel. Am Ende gibt es keine Lösung, außer dass wir zusammenleben.
Diese Mauer bringt Israel keine Sicherheit. Was Israel einzig und allein
Sicherheit bringt, ist: Den Menschen ihre Rechte zu geben, damit sie wie
die anderen Menschen leben können. Ich will leben. Lasst mich leben."
Abu Suus, verheiratet, sechs Kinder, ist Besitzer des Restaurants
Karawan
Heba
und Abeer Jaraize und Rana Kheir

Rana Kheir, Studentin, 22: "Mein Weihnachtswunsch ist, dass es Frieden
in unserer Region gibt und dass wir in unserer Freiheit die Kirchen in
Jerusalem besuchen können – ohne Durchsuchungen, ohne Armee, so als
wären Bethlehem und Jerusalem eine einzige Stadt und nicht getrennt, wie
es jetzt der Fall ist."
Heba Jaraize, Studentin, 19: "Ich wünsche, dass alle Menschen fröhlich
sind und es Frieden gibt."
Abeer Jaraize, Studentin, 18: "Dass es überall Frieden gibt und nicht
mehr geschossen wird. Und dass man sich mehr um die kleinen Kinder
kümmert, denn sie leiden unter Problemen und Krankheiten. Krankheiten
haben sich unter ihnen sehr verbreitet. "

Khader
Wir wünschen uns von der internationalen Staatengemeinschaft
Unterstützung, damit wir ein einfaches Leben führen können. Und damit
wir mit den Israelis gut zusammenleben.
Khader, 22 Jahre, ist Koch in einem Restaurant am Krippenplatz
Titel
"Ich wohne in Bethlehem, gehe aber in Jerusalem zur Schule. Jeden Tag
überquere ich den israelischen Armee-Kontrollpunkt, um zur Schule zu
kommen. Mein Wunsch ist: dass der Kontrollpunkt und die Mauer entfernt
werden, aber das wird nicht geschehen. Oft kommen wir zu Prüfungen zu
spät und auch sonst verpassen wir Dinge, weil wir am Kontrollpunkt
aufgehalten werden."
May Murad, 17, Schülerin an einem Gymnasium in Jerusalem, will nach dem
Abitur Design in Mailand studieren
Elias
Hazboun
"Wir wünschen uns, dass wir im nächsten Jahr Weihnachten so feiern
können wie Europa und Amerika. Man sollte meinen, dass die Söhne
Bethlehems mehr als andere anderen Menschen die Bedeutung von
Weihnachten kennen. Unser Problem ist jedoch: Wir tun es nicht. Wir
begehen Weihnachten so wie jeden x-beliebigen Tag. Die Lage vor Ort
erlaubt es uns nicht, das Fest so zu feiern, wie es sich gehört."
Elias Hazboun ist Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens am
Krippenplatz. Er ist verheiratet und hat drei Söhne
Zahar
Raheb
"Ich habe viele Wünsche. Mein erster und wichtigster: Frieden in der
ganzen Welt und besonders hier in Palästina. Wir kämpfen um unsere
Freiheit, dazu haben wir das Recht. Wir haben viele Kinder und
Erwachsene verloren, aber wir überleben. Mein Wunsch für meine Kinder
ist, dass sie das bestmögliche Leben haben und vom dem profitieren, was
ich ihnen gebe."
Zahar Raheb, 34, ist Schwester auf einer Neugeborenenstation. Sie ist
selber Mutter von drei Kindern

Zarifa Khaled
"Ich möchte, dass alle sich freuen und zufrieden sind. Ich wünsche, dass
ich etwas Schönes geschenkt bekomme. Ich erhoffe mir von Gott, dass er
mich heilt und ich gehen kann."
Zarifa Khaled Shafai (l.), 8 Jahre alt, Schülerin aus Jerusalem, hat zum
ersten Mal im Leben die Geburtskirche in Bethlehem besucht

Saleh al-Quarbi
"Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass es für uns Bewegungsfreiheit gibt.
Damit wir in andere palästinensische Gebiete wie nach Ramallah und
Jerusalem fahren können."
Saleh al-Qarbi, 19, wurde vor drei Jahren von der israelischen Armee ein
Auge ausgeschossen, als er auf dem Heimweg von der Schule an einer
Gruppe Kinder vorbeikam, die Steine auf israelische Soldaten warfen
Nicola
"Ich war gezwungen, wegen des Mauerbaus um das Rahelsgrab mein
Restaurant hierher zu verlegen. Wir haben Freunde, die hierher kommen
und uns durch ihren Besuch helfen. Hier ist keiner zufrieden, weder an
Weihnachten noch an sonst einem Tag. Seit acht Jahren habe ich Jerusalem
nicht mehr besuchen dürfen. Ich habe um einen Passierschein gebeten,
doch man hat die Bitte abgewiesen. Einmal mussten wir wegen meines
Onkels ins Krankenhaus nach Jerusalem. Selbst da wurde mir kein
Passierschein gewährt. Mein Weihnachtswunsch ist: Wieder einmal
Jerusalem zu besuchen, alle wollen das. Weiters wünsche ich Frieden und
dass wir Freude haben und leben so wie die restliche Welt. Wenn es
Frieden gibt, ist die Mauer nicht mehr nötig. Die Mauer bringt nur noch
mehr Probleme."
Nicola, 37, verheiratet, eine Tochter, ist Besitzer des Restaurants
Weihnachtsbaum

Lorin
und Yazan
Lorin Akkawi, 4 (l.):
"Ich wünsche mir ein Kleid."
Yazan Akkawi, 9 (M.):
"Ich wünsche mir ein ferngesteuertes Auto."
Abu
Hanna
"Israelis und Palästinenser könnten in Frieden leben. Wenn es Frieden im
Heiligen Land geben sollte, dann ist das gleichbedeutend mit Frieden für
den gesamten Nahen Osten und fast für die gesamte Welt."
Abu Hanna, Souvenirhändler in einer Seitengasse des Krippenplatzes,
hatte seit einer Woche keine Kunden mehr in seinem Geschäft
Eireen Zoughbi
"Ich wünsche Frieden zuallererst und dass wir ein besseres Lebensniveau
erreichen. Wenn es Frieden gibt, wird sich die Lage im Tourismus
verbessern und wir können uns entwickeln. Mit Frieden löst sich alles
andere. Aber so ist die Lage sehr schlecht: Entweder wandert man aus,
oder man bleibt arbeitslos hier."
Eireen Zoughbi ist Empfangschefin in einem Hotel am Krippenplatz. Sie
ist verheiratet und hat drei Kinder

Pater
Amjad
"Mein Weihnachtswunsch ist, dass niemand in der Welt Bethlehem vergisst.
Die Menschen mögen jetzt, wo sie Krippen in ihren Häusern und Kirchen
aufstellen, daran denken, dass wir im Heiligen Land das echte Bethlehem
haben und dass ihre Brüder hier sie bitten, für sie zu beten und sie zu
besuchen."
Pater Amjad ist Pfarrer der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche St.
Katharina am Krippenplatz
Suleiman
"Die kleine Mauer in Deutschland ist gefallen. Dafür gibt es hier, in
diesem kleinen Land – Israel und Palästina - nun eine große Mauer. Das
Leben hier ist sehr schwer. Hier ist die heilige Stadt, in der Jesus
geboren wurde. Sie ist ein großes Gefängnis. Es gibt kein Leben. Mein
Urgroßvater wurde hier geboren und ich auch. Und ich kann nicht nach
Jerusalem fahren. Seit sechs Jahren war ich nicht mehr dort. Ich kann
nicht einmal drei Kilometer in diese Richtung fahren. Mein Großvater
hatte ein Stück Land bei Bethlehem. Die Israelis haben es ihm abgenommen
und eine Siedlung darauf gebaut. Sie heißt El-David. Wäre ich im Besitz
dieses Grundstücks, würde ich jetzt nicht hier Taxi fahren. Ich verdiene
zwischen zehn und zwanzig Schekel (zwischen 2 und 4 Euro) am Tag. Mein
jüngster Sohn geht in die erste Klasse. Er braucht jeden Tag schon fünf
Schekel. Ich habe drei Kinder, die an der Universität studieren. Das
bedeutet enorme Ausgaben. Mein Söhne fragen: Wenn ich mit dem Studium
fertig bin, wo soll ich denn Arbeit finden? In welchem Land? Manchmal
kommen Ausländer an den Kontrollpunkt. Wenn ich mit ihnen rede, merke
ich, dass sie sich vor mir fürchten. Das Leben wird schwierig, wenn die
anderen Menschen dich als Terroristen betrachten."
Suleiman ist Taxifahrer und hat sieben Kinder
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