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Religionsvertreter gründen Initiative für Nahost

Münster (KNA) September 06. Eine Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO) haben
namhafte Religionsvertreter und Politiker am Freitag in Münster gegründet.
Ziel sei, Verständnis für die komplizierten Zusammenhänge in der Region zu
schaffen und zur Friedenslösung beizutragen, sagte Sprecher Manfred
Erdenberger am Freitag vor der Presse.

Der melkitische Patriarch von Antiochien, Alexandrien, Jerusalem und dem
ganzen Orient, Gregoire III., betonte, Europa und Deutschland hätten eine
Schlüsselrolle für die Friedenssuche. Muslime, Christen und Juden in Nahost
sähen europäische Länder als Partner an. Das unterscheide sie von den USA,
die von der Kultur des östlichen Mittelmeeres zu weit weg seien.

Die neue Initiative will Informationen sammeln, die frei von politischen,
militärischen und religiösen Einflüssen sind. Es sei eine Schande, dass die
Milliarden starke Weltgemeinschaft keinen Frieden für die zehn Millionen
Einwohner zählende Region zu schaffen imstande sei, beklagte der mit Rom
unierte Patriarch, der 14 melkitischen Bistümern in Syrien, Libanon,
Jordanien und Israel vorsteht.

Mehr Unterstützung für Christen

Gregoire III. forderte insbesondere mehr Unterstützung für die Christen im
Nahen Osten. Diese kleiner werdende Minderheit sei fester Bestandteil der
arabischen Welt und könne auf eine 1.400-jährige Erfahrung im Zusammenleben
mit dem Islam zurückblicken. Ihr Verschwinden würde die Fronten zwischen
Islam und Judentum verhärten, betonte der in Damaskus residierende
Patriarch.

Gründungsmitglieder sind neben Gregoire III. der frühere israelische
Botschafter in Deutschland, Avi Primor, CDU-Politikerin Rita Süssmuth, der
frühere Botschafter in Israel, Rudolf Dressler (SPD), der Bischöfliche
Offizial im Bistum Münster, Martin Hülskamp, der ehemalige Ratsvorsitzende
der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, sowie der
Pfarrer der evangelisch-lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem, Mitri
Raheb. Derzeit werde nach einem muslimischen Vertreter gesucht, der zur
Mitarbeit bereit sei, so Geschäftsführer Heiner Bremer.

"Weg der Verständigung gehen"

Sprecher Erdenberger betonte, es gebe keinen anderen Weg als den der
Toleranz und Verständigung für die Menschen im Nahen Osten. Dafür werde DINO
sich einsetzen. Die Initiative werde sich bei aktuellen Anlässen zu Wort
melden und "den schwierigen Weg moderierend unterstützen", so der ehemalige
WDR-Chefredakteur und Chefkorrespondent. Im Kern gehe es um den andauernden
Konflikt zwischen Palästinensern und Israel, doch werde der Fokus auch auf
die Situation in den Nachbarstaaten Ägypten, Libanon, Jordanien und Syrien
gelenkt.

Mit dem Sitz von DINO in Münster knüpfe man an die Tradition des
Westfälischen Friedens von 1648 an, so Bremer. Die hier erfolgte Neuordnung
der politischen und religiösen Verhältnisse nach dem Dreißigjährigen Krieg
diene der Initiative als Vorbild. In Münster sollen Jahrestreffen sowie
regelmäßige Symposien stattfinden.

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